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« Ein Imbiss, den man
in der Türkei überall
findet, ist Kokoreç »
I S T A N B U L
des Osmanischen Reichs.
Authentische
osmanische
Küche wieder auferstehen zu
lassen, ist nicht ganz einfach.
„Das Reich bestand über 600
Jahre lang und erstreckte sich
über tausende von Kilometern“,
erklärt Durmay. „Aber wir kön-
nen die Aufzeichnungen aus
den Palästen lesen, um zu sehen,
was die Eliten im 15. und 16.
Jahrhundert aßen.“ Nachdem
ich meinen Mandelsuppenteller
sorgfältig
ausgekratzt
habe,
setze ich mein Lunch im Asitane
mit weiteren ungewöhnlichen,
aber schmackhaften Gerichten
fort – gefüllte Milz vom Lamm,
Eintopf aus Kutteln und Kicher-
erbsen und gebratene Leber-
klößchen.
Megan Clark ist jemand, der
meine Leidenschaft für tür-
kisches Essen teilt. Sie ist Dok-
torandin an der Universität von
Chicago, wo sie osmanische
Geschichte studiert, und lebt
seit 1998 in Istanbul. Seit
kurzem bietet sie kulinarische
Führungen an, organisiert über
die
Website
Istanbul
Eats
(istanbuleats.com). Ihre Be-
geisterung für die türkische
Küche ist ansteckend. „Ich erin-
nere mich, als ich diese Wo-
chenmärkte zum ersten Mal
sah, wie alles so sorgfältig ar-
rangiert dargeboten wird – das
Obst und Gemüse, die Eier und
der Käse, Oliven, Gewürze,
Nüsse und Getreide“, schwärmt
sie. „Die sinnliche Erfahrung
hat mich umgehauen.“
Megan Clarks kulinarische
Tour startet in Sultanahmet,
dem ältesten Stadtbezirk Istan-
buls, auf dem Markt neben der
Neuen Moschee in Eminönü.
Hier sehen wir Stände speziali-
siert auf Oliven, auf weißen
Käse, auf eingelegtes Gemüse
und sogar auf Innereien – ein
Metzger bietet stolz Stierhoden
und Schafhirn an. Apropos In-
nereien: Ein Imbiss, den man in
der Türkei überall findet, jedoch
praktisch nirgendwo außerhalb
des Landes, ist
Kokoreç
. Viel-
86
—GW