Z
u Blütezeiten des Osma-
nischen Reichs nutzten
die Köche am Hofe des
Sultans den enormen Reichtum
und die Ressourcen ihres Herr-
schers, um Gerichte mit Zutaten
aus Nordafrika, dem Mittleren
Osten, dem Kaukasus und dem
Balkan zu kreieren. Vielleicht
liegt darin ein Grund, warum
Türken ihre kulinarische Kultur
gern neben der französischen
und chinesischen zu den drei
großen Küchen der Welt rech-
nen. Der Abwechslungsreich-
tum und die Vielfalt türkischer
Küche sind nicht von der Hand
zu weisen. Da scheint es fast wie
eine ironische Randnotiz, dass
das bekannteste türkische Ge-
richt der Welt in den 70er Jahren
in Berlin erfunden wurde: der
Döner. Die mit Grillfleisch ge-
füllte Brottasche, die gern spät
nachts und nicht mehr ganz
nüchtern verzehrt wird, habe ich
daher bewusst von meiner Spei-
sekarte gestrichen, während ich
Istanbuls lebhafte Gastro-Szene
erkunde.
Asitane (Kariye Camii Sokak
6, Edirnekapı, +90 (0)212 6357997,
asitanerestaurant.com) ist ein
idealer Ausgangspunkt, um die
wahre türkische Küche zu entde-
cken. Sie ging aus den experi-
mentierfreudigen Zeiten des Os-
manischen Reichs hervor, als
diese Stadt noch als Konstanti-
nopel bekannt und praktisch die
Hauptstadt derWelt war. Seit das
Restaurant 1991 eröffnete, haben
Eigentümer Batur Durmay und
sein Team zahllose Küchenregi-
ster, Bücher und Dokumente hi-
storischer Paläste durchforstet,
um die authentische osmanische
Küche wiederauferstehen zu las-
sen. Heute genieße ich eins der
Ergebnisse dieser Recherchen –
eine osmanische Mandelsuppe,
die so süß und so samtig ist, dass
sie
wie
flüssiges
Marzipan
schmeckt. Kein Wunder, dass
dieses süße Süppchen die Leib-
speise Süleyman des Prächtigen
gewesen sein soll, einer der am
längsten herrschenden Sultane
Getty, Corbis
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