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B E R L I N
Frisch geröstet
KAFFEERÖSTERE I
Es ist nur ein Zitat, darauf legt der Cafetier
WilhelmAndraschkoWert, und er weiß auch nicht genau, vonwemes
stammt, aber es ist etwas Wahres dran: „Die Wiener haben zwar eine
ausgeprägte Kaffeehauskultur, Kaffeekultur aber haben sie keine“,
heißt es. Bei den Berlinern sei das umgekehrt, sagt Andraschko, der
aus Wien kommt und in einer alten Fabrikhalle in Berlin-Kreuzberg
auserlesene Hochlandkaffeebohnen röstet. Gerade die jungen Berli-
ner hätten ein erstaunlich großes Interesse an gutem Kaffee. Womit
sich auch erklärt, warumder gebürtigeWiener, der dasHandwerk des
Kaffeerösters in Italien gelernt hat, ausgerechnet ein altes Fabrikge-
lände inKreuzberg für seineKaffeerösterei gewählt hat. Rings herum
Werbeagenturen und Architektenbüros, viele Menschen, die sich
gern zwischendurch einen Espresso holen.
Willy Andraschko und seine Frau Elisabeth reisen regelmäßig um
die Welt auf der Suche nach den besten Hochlandkaffees. Wenn sie
fündig werden, lassen sie Säcke frisch geernteter Kaffeebohnen nach
Hamburg schiffen und bringen sie von dort nach Berlin. In großen,
roten Silos bereiten die Kaffeeröster zunächst die richtige Mischung
vor, Indienwirdmit einembisschenNairobi vermischt, PapuaNeugui-
nea mit Brasilien. Dann werden die Bohnen in den Trommelröster ge-
füllt und eine Viertelstunde lang geröstet. Wenn es in der Trommel zu
knackenbeginnt, sinddieBohnen für Filterkaffee fertig. Espressoboh-
nen muss ein bisschen länger rösten, bis es ein zweites Mal knackt.
Dann werden die Bohnen – wohlgemerkt die ganzen – verpackt. „Wir
legen wert darauf, dass unsere Kunden den Kaffee vor demAufbrühen
frisch mahlen“, sagt Willy Andraschko. Das steigert die Qualität und
ist nunmal Teil wahrer Kaffeekultur.
WWW.ANDRASCHKOKAFFEE .COM
Köpenicker Straße 154, 10997 Berlin. Besichtigungen der Manufaktur auf
Anfrage, ebenso Barista-Kurse in der Lernküche der Kaffeerösterei. Original
Andraschko-Kaffee gibt es im Restaurant Tim Raue und im Grill Royal.
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