B E R L I N
BLUTWURSTMANUFAKTUR
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Was andernorts unter Namen wie
Tote Oma oder Verkehrsunfall auf den Tisch kommt, steht in
Berlin auf den Speisekarten der allerfeinsten Restaurants: Frische
Blutwurst aus Neukölln.
Der Laden amKarl-Marx-Platz in Rixdorf-Neukölln sieht von Aus-
senwie aus einer anderen Zeit aus. Davor hängt ein Schildmit der Auf-
schrift: „Heute frische Blutwurst“. Jeden Morgen werden in der soge-
nannten Blutwurstmanufaktur schlachtfrische Berliner Blutwürste
gemacht, imWinter sogar mehrere 100 Stück amTag.
Früher waren die Blutwürste aus der Fleischerei ein beliebtes Ar-
meleuteessen: Reichhaltig, lecker, billig. Das sind sie immer noch,
aber seit der Thüringer Metzgermeister Marcus Benser den Laden
übernommen und das 100 Jahre alte Rezept seines Vorgängers ver-
feinert hat, kaufen hier auch die Sterneköche von Berlins Nobelre-
staurants ein, einschliesslich demKoch des Bundespräsidenten, Jan-
Göran Barth. Der nimmt gern dieMini-Blutwürste für Empfänge im
Schloss Bellevue, erzählt der Geschäftsführer der Blutwurstmanu-
faktur Mathias Helfert. Die geheime Gewürzmischung, die die Wür-
ste so besonders macht, stammt aus einem Rezeptbuch vom Großva-
ter desMetzgermeisters. ThüringerMajoran ist dabei und etwas Thy-
mian, Zimt und brasilianischer Pfeffer. Dazu Zwiebeln, Speck,
Schwarte, Semmelbrösel und natürlich viel frisches Schweineblut.
Mit seinem Geheimrezept hat Benser es in die Oberliga der Blut-
wurstmetzger geschafft: Vor sieben Jahren wurde er von der franzö-
sischen
Confrérie des Chevaliers du Goûte Boudin
, der Blutwurstbru-
derschaft, zumBlutwurstritter geschlagen.
WWW. BLUTWURSTMANUFAKTUR .DE
Karl-Marx-Platz 9-11, 12043 Berlin-Neukölln. Geöffnet Montag bis Freitag
8-18 Uhr, Samstag 8-13 Uhr. Führungen durch die Manufaktur sind nur in
Ausnahmefällen möglich, aber schon der urige Laden in Rixdorf lohnt einen
Besuch. Ein Kilo Berliner Blutwurst (sechs Stück) kostet 9,90 Euro.
Komm, wir essen Oma!
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