BONBONMACHERE I
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In einem Souterrain in Berlin-Mitte macht
der gelernter Bonbonmacher, Hjalmar Stecher, Süßigkeiten in
allen Farben. Seine Bonbonmischungen folgen altbekannten Re-
zepten aus Berlins goldenen 20ern, allen voran die Sorte „Berliner
Waldmeisterblätter“.
Wann würde meinen, Bonbonmacher sei der Traumberuf eines je-
den Kindes. Trotzdem ist der Beruf in Deutschland fast ausgestorben.
Gelernt hat Stecher das seltene Handwerk gemeinsammit seiner Part-
nerin Katja Kolbe in einer Berliner Bonbonfabrik, die es heute nicht
mehr gibt. Nur ihre uralten Rezepte sind geblieben und die alten,
schwerenBonbonpresswalzen,mit denenStecher in seiner Schauküche
inBerlin-Mitte heute die handgefertigtenAltberliner Bonbonsmacht.
Mit bloßen Händen knetet er einen sieben Kilo schweren, knall-
grünen Teig. Er hat nur zehn Minuten Zeit, denn dann wird die
Masse aus geschmolzenem Zucker hart. Schnell ein bisschen Zi-
tronensäure dazu, dann dreht er den Zuckerklumpen durch eine
fast 100 Jahre alte Walze. Auf der anderen Seite fallen kleine, grüne
Bonbons heraus.
Der Bonbonmacher verfrachtet die grünenDrops in eine Art Beton-
mischer und gießt warmes Zuckerwasser drüber. Während das Wasser
verdunstet, legt sich eine zarte, weiße Zuckerschicht auf die ständig ro-
tierenden Bonbons. Dann sind sie fertig. Die Waldmeisterblätter sind
der Verkaufsschlager und zudem ein echter Hauptstadtklassiker. An-
geblichhat dieBerliner Boheme inden20ern JahrendieseBonbonsmit
Vorliebegegessen.DasRezept für dieklassischenHimbeerdrops ist fast
genau so alt.DiePiñaColadaBonbons unddieFeuerhimbeeremitChili
dagegen sindNeuschöpfungen des Bonbonmachers Stecher.
WWW. BONBONMACHERE I .DE
Heckmann Höfe, Oranienburger Straße 32, 10117 Berlin. Geöffnet Mittwoch
bis Samstag, 12-20 Uhr. Nachmittags werden in der Schauküche live Bonbons
gemacht, die es im Laden zu kaufen gibt (1,75 Euro für 100 Gramm).
Alles so bunt hier
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