M A T E R A
die
Badewanne
sind
von
höchster Qualität, die Beleuch-
tung ist stimmungsvoll und ro-
mantisch. Felsenfester Schlaf ist
garantiert, in völliger Dunkel-
heit und Ruhe.
Wenn man heute die Sassi be-
sucht, ist es schwer vorstellbar, das
die Stadt einst als „nationale
Schande“
bezeichnet
wurde.
Doch als der damalige Premier-
minister De Gasperi im italie-
nischen Wahlkampf von 1950 die-
se Rhetorik wählte, herrschte in
Matera eine völlig andereRealität.
ZuderZeit lebten20.000Personen
in den Höhlen, ohne Abwassersy-
stem oder Strom. Entsprechend
schlecht war es um die Gesund-
heit der Bevölkerung bestellt: Die
Kindersterblichkeit lagbei 50Pro-
zent und selbstMalariawar nichts
Ungewöhnliches. Die Höhlen
wurden 1952 schließlich aufgrund
der
miserablen
Lebensbedin-
gungen zwangsgeräumt, den Be-
wohnern in fünf Kilometern Ent-
fernung neuer Wohnraum ange-
boten. Trotzdem wurden Fami-
lien und Gemeinschaften zerris-
sen. Geplant war, die Sassi abzu-
reißen. Stattdessen stand das hi-
storische Viertel 30 Jahre lang fast
leer. EineGeisterstadt vollerHöh-
len ohne Türen, in der sich zwie-
lichtige Gestalten und Verbrecher
ansiedelten. Diese Entwicklung
unddie tatenloseRhetorikderPo-
litiker hatten eine traumatisieren-
de Wirkung auf die Materani, die
bis heute anhält.
Die UNESCO hauchte erst
1993 den Sassi neues Leben ein,
indem sie den Stadtteil zum
Welterbe erklärte. Daraufhin
fanden sich auch die nötigen Fi-
nanzmittel, umden uraltenHöh-
lenwohnungen eine neue Zu-
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—GW