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Sassi di Matera, die
Steine vonMatera, gehö-
ren wahrscheinlich zu
den ersten menschlichen Sied-
lungen Italiens. Und noch heute
wohnen Menschen in genau
denselben Räumen, in denen
ihre Vorfahren vor 9.000 Jahren
lebten – inHöhlen und Steinhäu-
sern, die über-, neben- und un-
tereinander aus demAbraumdes
Höhlenbaus entstanden. Nur 70
Kilometer vom Flughafen Bari
entfernt liegt die Stadt Matera
malerisch in der grünen Hügel-
landschaft der süditalienischen
RegionBasilikata, quasi dort, wo
Absatz und Sohle des italie-
nischen Stiefels aufeinander-
treffen. Nach Matera können Sie
im Leihwagen oder per Bus fah-
ren, oder die Panoramastrecke
wählen – eine anderthalbstün-
dige Zugfahrt mit dem „Trenino“
(wie die Mini-bahn von den Ein-
wohnern genannt wird). Die
Gleise indes führen durch Oli-
venhaine – Olivenöl ist das
Hauptexportprodukt der Regi-
on. Hier und dort ragen gigan-
tische Kakteen auf und Mohn-
blumen setzen leuchtend rote
Farbtupfer.
Vom Stadtzentrum Materas
aus, kann man die berühmten
Steinhäuser zu Fuß gut errei-
chen, allerdings sind sie nicht
einfach zu finden. Die Neustadt
ist absichtlich so errichtet wor-
den, dass das schäbige Höhlen-
viertel von den neuen Straßen
aus nicht sichtbar ist. Der Zu-
gang zu den Sassi vom Haupt-
platz aus führt ein paar steile
Treppen hinab in ein Labyrinth
aus verwinkelten Gassen und
steinernen Häusern, die sich den
Hang hinunter inRichtung eines
Flussbetts ergießen. Beim An-
blick des felsig-grünen Alta-
Murgia-Nationalparks am Hori-
zont, davor die Gebäude aus
warmem sandigem Gestein, ist
es leicht zu verstehen, warum
Matera schon oft als Filmkulisse
für antike Städte wie Jerusalem
diente, etwa in Pasolinis
Matt-
häusevangelium
von 1964 oder
Getty, 4Corners, Alamy
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