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I
n Mailand, dem Industrie-
zentrum Norditaliens, braut
sich etwas zusammen. Hi-
storisch stets auf Handel gepolt,
war die Stadt schon immer die
ungeschminkte, fleißige Schwe-
ster von Rom und Florenz – eine
mutige Metropole, die als Zen-
trum der erfolgreichen italie-
nischen Mode-, Design- und Fi-
nanzbranchen
dient.
Seit
Kurzem nun ist der bodenstän-
dige Charme der Stadt um eine
neue Facette reicher: Mailand
wird grün.
Cristina Buraschi ist einer
der führenden Köpfe hinter die-
ser neuen Bewegung und ver-
breitet ihre Botschaft über den
Verband Equology, eine Gruppe
engagierter
Marketing-
und
Kommunikationsprofis,
die
nachhaltige Geschäftspraktiken
in Mailand fördern. „Leider
hinkt Italien anderen Ländern
Europas in Sachen Umweltbe-
wusstsein hinterher“, erklärt Bo-
raschi. „Dieser Trend ist für uns
neu, aber wir machen Fort-
schritte, und in Mailand passiert
in dieser Hinsicht ammeisten.“
Dem Richtungswechsel liegt
laut Boraschi teilweise ein sich
wandelndes Kulturbewusstsein
zugrunde. Aber auch Hoffungen
in den jüngst gewählten Bürger-
meister Giuliano Pisapia spielen
eine Rolle. Er machte den Um-
weltschutz im vergangenen Jahr
zu seinem Top-Wahlkampfthe-
ma. Die schon von seiner Vor-
gängerin eingeführte City-Maut
(ähnlich wie in London) soll für
sauberere Luft sorgen und zwei
neue U-Bahnlinien sollen die
Bürger dazu bewegen, vom Auto
auf öffentliche Verkehrsmittel
umzusteigen. „Als Pisapia die
Wahl gewann, haben viele Leute
gefeiert“, sagt Boraschi. “Junge
Menschen, alte Menschen, Fa-
milien mit Kindern – alle waren
glücklich über das neue Gesicht
unserer Stadt.“
Die Begeisterung für Um-
weltthemen ist so groß, dass
Equology im vergangenen Jahr
inMailand erfolgreich eine Rei-
he von Messen und Events rund
ums Thema Öko-Design ins Le-
ben rief. Und es sollen noch
mehr werden. Econtamination,
eine Ausstellung umweltfreund-
licher Produkte auf der Mailän-
der Möbelmesse im April, soll
2012 massiv ausgebaut werden.
„Es werden Produkte aus 100
Prozent recycelter Mikrofaser,
Öko-Baumwolle und -Leinen zu
sehen sein sowie Taschen und
Accessoires aus Aluminiumdo-
sen, Zeitschriften und Schokola-
denverpackungen“,
schwärmt
Boraschi. Abgerundet wird die
Veranstaltung mit veganer Kü-
che, Biowein und – für den be-
sonders umweltbewussten Be-
sucher – nachhaltig erzeugter
Tiernahrung.
Während der alljährlichen
Mailänder
Modewoche
war
Equology im September auch an
So Critical, So Fashion
beteiligt,
eine Veranstaltung, bei der 39
Modedesigner präsentiert wur-
den, deren Kollektionen gemäß
nachhaltigen Design-Prinzipien
entstanden. In diesem Jahr soll
bei dieser Modenschau VegHip
Fashion vorgestellt werden, ein
Vehikel für Marken wie Ecoist
und Uroboro Design, die Leder
und andere Stoffe tierischen
Mailand’s Charme ist
um eine Facette reicher:
Die Stadt wird grün
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