H I K I N G
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in schriller Pfiff. Er klingt so, als wäre er von
einem Menschen mit zwei Fingern im
Mund erzeugt worden. In Wirklichkeit
stammt das Geräusch aber von einem Murmeltier
– im lokalen Dialekt auch „Mankei“, also Männ-
chen – genannt. Dieser alpine Angehörige der Ech-
ten Erdhörnchen ist das drittgrößte europäische
Nagetier und stellt sich auf die Hinterpfoten um
seine Umgebung aufmerksam zu beobachten.
Wenn der Wächter einer Kolonie etwas bemerkt,
was nicht in die Nähe seiner Gruppe gehört (Adler
über Kopf oder Touristen auf der Almwiese bei-
spielsweise), warnt er seine Artgenossenmit einem
lauten Pfeifgeräusch. Blitzartig verschwindet die
ganze Kolonie im Bau, einem ausgedehnten unter-
irdischen Gangsystem. Es wird ein Weilchen dau-
ern, bis sie sich wieder an die Oberfläche wagen.
Die Naturkulisse rund um den Großglockner ist
nicht nur wegen seiner Murmeltiere sehenswert.
Der Berg ist mit 3.798 Metern der höchste Gipfel
Österreichs und der Ostalpen. Um ihn ragen die 300
höchsten Bergspitzen der Alpenrepublik empor,
gibt es die größte Gletscherfläche westlich der
Schweiz und denNationalparkHohe Tauern, der als
Schutzgebiet drei Bundesländer vereint: Tirol, Salz-
burg und Kärnten. Seine Spezialität ist das Hochge-
birge als extremer Lebensraum: Besonders dort, wo
der Winter acht Monate im Jahr dauert, wo Herbst
und Frühling nahezu ausfallen. Diese Region bietet
aber trotz rauer klimatischer und topographischer
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—GW