A
ls die deutsche Elektro-
band Kraftwerk 1978
mit
Das Model
ihren
größtenHit landete, der drei Jah-
re später auch international zum
Megahit und Elektro-Klassiker
wurde, ahnten sie wohl schon
wie präsent deutsche Frauen auf
der internationalen Modelszene
sein würden. Claudia Schiffer,
Heidi Klum, sie alle hatten mit
ihren deutschen Zügen großen
Erfolg. Doch wer hätte vermutet,
dass die sogenannten Supermo-
dels Anfang der 90er Jahre den
Modelberuf neben Schauspieler
und Sänger zum Traumjob der
weltweiten, weiblichen Jugend
anheben würden. Man erinnere
sich an das berühmte Zitat Linda
Evangelistas: „Für weniger als
10.000 Dollar am Tag stehen wir
gar nicht erst auf !“. Keine TV-
Show zeigt dies besser als
Germany‘s Next Topmodel
, des-
sen erste Gewinnerin, Lena
Gercke nun mittlerweile schon
seit fünf Jahren im Geschäft ist.
Aktuell moderiert sie
Austria‘s
Next Topmodel
womit sie in Hei-
di Klums Fußstapfen tritt. Wir
treffen uns mit dem Mädchen
aus Cloppenburg, um zu hören
wie ihr Leben inzwischen wirk-
lich aussieht.
Reisengehört fürLenaGercke
zum Alltag. Das deutsche Model
(23) kommt gerade aus Kapstadt,
davor war sie zwei Tage lang in
Madrid, fliegt nun über Berlin
nach Puerto Rico. Im Flieger sit-
zen ist für sie so normal wie für
die meisten am Schreibtisch.
„Mittlerweile brauche ich das so-
gar,“ sagt sie ganz offen. „Ich lebe
ein Zigeunerleben. Wenn ich
mehr als eine Woche an einem
Fleck bin, wird mir schon lang-
weilig.“ Ihr Tipp für Vielflieger
und Geschäftsreisende ist schla-
fen, bei jeder Gelegenheit. Denn
Lena weiß jede Sekunde zu nut-
zen. „Ich rechnemir immer schon
aus, wie viele Stunden ich schla-
fen kann und wie lange ich dann
Zeit für dies und jenes habe. Ich
brauche das für meinen Kopf. Ich
konstruiere quasi ein Tagessche-
ma, um Struktur in mein sonst
sehr ungeordnetes Leben zu be-
kommen.“ Auf die Frage, wo Sie
wohnt, sagt Lena Gerke: „Naja,
eigentlich nirgendwo. Ich habe
zwar eine Wohnung in Berlin,
aber wenn ich frei habe, fahre ich
nicht dahin, sondern besuche
meine Familie und Freunde.“
Und seit neuestem auch öfter
ihren Freund, den sie alle zehn
Tage versucht zu sehen. Was si-
cherlichnicht einfach ist, dennder
heißt Sami Khedira, ist in der
deutschen
Fußball-National-
mannschaft, kickt als Mittelfeld-
spielerbeiRealMadrid, undsicher
ebenso viel unterwegswie sie.
Berühmter Fußballfreund, in-
ternationale Modelaufträge und
TV-Moderation: Klingt als hätte
Lena es geschafft. Doch Ruhm a
la Klum bleibt bisher noch aus.
Ihre Wohnung in New York
musste Gerke im vergangenen
Jahr auflösen. Modeljobs be-
kommt sie in Amerika schon,
dochnochweiß keiner, wer sie ist.
Pläne weiter in den USA zu ar-
beiten, werden stark forciert, und
auch eine neue Wohnung in New
York will sie sich dieses Jahr wie-
der besorgen. Aber in Europa be-
kommt sie nunmal mehr Jobs.
Lena sieht das inzwischen
ganz locker. „In erster Linie bin
ich ein Arbeitsmensch. Ich habe
noch nie einen Job abgesagt, oder
bin zu spät gekommen. Es ging
mir nie darum, bekannt zu wer-
den. Ich wollte einfach nur gut
sein, in dem was ich tue.“ Und in
der Tat ist sie personifizierte Pro-
fessionalität. Beim GW Magazin
Fotoshooting gibt sie alles, egal
wie lange es dauert. Auch unser
Fotograf sagt, er habe selten je-
manden fotografiert, bei dem je-
des Bild ein Treffer ist. Lena weiß
sich in Szene zu setzen, bewegt
sich gekonnt vor der Kamera.
Auch beim Moderieren oder bei
Werbespots scheint sie sich vor
der Filmkamera wohlzufühlen.
Schließlich ist sie quasi vor der
Kamera aufgewachsen. “Bei der
Show damals war ich 17, da habe
ich viel gelernt, vor allemwieman
sich vor der Kamera präsentiert.“
Das scheint heutzutage dazu
zugehören. Das Interessante ist ja,
dassHeidi Klumzunächst nurwe-
nigaufdemLaufstegzusehenwar.
Ihr Durchbruch kam mit einem
Katalog, der Werbekampagne der
« Wenn ich mehr als eine
Woche an einem Fleck
bin, wird mir langweilig »
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