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Ab und zu wird es plötzlich dun-
kel. Der Grund: Das Stromnetz
ist noch nicht sehr leistungsfä-
hig in dem jungen Land. Dafür
werden dann einfach überall
Kerzen angezündet, was so dem
einen oder anderen Abend in
Pristina eine ganz besondere
Romantik verleiht. Die Hotels,
Restaurants und Geschäfte ha-
ben zudem fast ausnahmslos
Notstromaggregate, die dann
vor der Tür oder imGarten an-
geschmissen werden und
drauflosrattern.
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Andere Länder, andere Bräuche:
Beobachten Sie einmal junge
Männer, die in ein Cafè kom-
men. Zuerst legen sie den Auto-
schlüssel auf den Tisch, dann
das Handy und das Feuerzeug
(manchmal auch in umgekehrter
Reihenfolge). Die Zigaretten-
schachtel bleibt in einer Hand
und wird imweiteren Verlauf
des Aufenthalts kunstvoll hin-
und hergedreht.
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Die Vorwahlen imKosovo stam-
men aus Slowenien oder sogar
ausMonaco. Das Kosovo hat
nämlich keine eigene Vorwahl.
Die Verwandten zuHause
könnten verwirrt sein…Dafür
entfallen die Roaminggebühren
fürs Handy. Gleich amFlughafen
gibt es einen Pavillon, an dem
man zumBeispiel Telefonkarten
für fünf Euro samt eigener Tele-
fonnummer kaufen kann.
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Die Kosovaren sind ein auf-
rechter, sogar etwas stolzer, aber
sehr zugänglicher Menschen-
schlag. Die meisten sprechen
ganz gut Englisch und viele auch
Deutsch. Und hilfsbereit sind sie
allemal – vor allem gegenüber
Deutschen und Amerikanern.
Das ist gut, denn in Pristina gibt
es so gut wie keine Straßen-
schilder, aber man kann sich gut
durchfragen und kommt so mit
den Einheimischen ganz leicht
in Kontakt.
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Wer sich in Pristina verabredet
und auf Nummer Sicher gehen
will, sollte das Monument mit
demSchriftzug „Newborn“ vor
demStadion und dem Jugend-
zentrum als Treffpunkt wählen.
Das kennt dort jeder. Vor vier
Jahren wurden die Buchstaben
zur Staatsgründung aufgestellt,
damit sich dort jeder mit seinem
Namen verewigen kann.
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Eine Besonderheit Pristinas ist
die ungewöhnliche Geräusch-
kulisse. Kosovos Bevölkerung
ist in der Mehrheit muslimisch
und fünfmal amTag ruft der
Muezzinmit exotisch-melan-
cholischer Stimme zumGebet.
Dazu kommt jeden Abend ein
Naturphänomen: Pünktlich mit
beginnender Dunkelheit, wenn
andere Vögel schlafen gehen,
sagen sich zigtausende Krähen
krächzend auf den Straßen-
bäumen Gute Nacht.
« Die Kosovaren sind
ein sehr zugänglicher
Menschenschlag »
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