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den Weg zu den 15 Mitgliedern des Julia-Clubs: Briefe, verfasst in
allen möglichen Sprachen. Maria Pontiki ist eine der Sekretä-
rinnen des Clubs. Sie antwortet etwa auf Schreiben in englischer,
griechischer und französischer Sprache und zwar ehrenamtlich
wie auch die anderen Julia-Fans des Clubs. „Falls wir eine Sprache
nicht verstehen, wenden wir uns an die Universität in Verona“,
sagt Tamassia.
Der 77-jährige Tamassia errinnert sich, wie es vor 40 Jahren zur
Gründung kam„Ich habe mich mit Freunden über die Stadt und das
kulturelle Leben unterhalten, und die Geschichte von Romeo und Ju-
lia gehört halt untrennbar dazu.“ Aus dieser Kernidee wurde ein
Selbstläufer. Die Antworten der Julia-Helfer auf die fröhlichen und
bisweilen auch verzweifelten Anfragen sind oft, aber nicht immer
einfach: „Wir antworten auf jeden Fall, aber wir sind keine Psycholo-
gen und nicht dafür da, Berater in schwierigen Lebenslagen zu sein“,
sagt Maria Pontiki. Leidenschaft und Liebeskummer, Hohelieder
und Hilferufe. Das sind die Inhalte der Briefe über die größte Macht
der Welt. Experte Tamassia fasst es bündig zusammen: „Die Liebe ist
dramatisch oder tragisch.“ Wie tröstlich für jeden beimnächsten Lie-
beskummer. Und es gibt noch eine weitere bittere Pille zu schlucken:
Der berühmte Julia-Balkon ist Betrug. Er wurde in den 1930er Jahren
an die Fassade angezimmert. Er war vormals aller Wahrscheinlich-
keit nach ein Sarkophag, ganz getreu dem Motto der Legende: Die
Liebe bestimmt das Leben bis zumTod. Stören tut das dort niemand.
Zu verführerisch ist die Geschichte der jungen Liebenden aus den
verfeindeten Patrizierfamilien Capulet und Montague, die eher den
Tod vorziehen, als ohne einander zu sein.
Das Lieben und Leiden steht auch im Mittelpunkt in der Arena
von Verona. Beim 90-jährigen Jubiläum der Festspielsaison 2012
im drittgrößten, aus römischer Zeit erhaltenen Amphitheater ein
Stoff, auf den definitiv nicht verzichtet wird. „Die Legende von Ro-
meo und Julia wird auf jeden Fall auch in Zukunft auf dem Spielplan
stehen, denn das ist Muss für die Arena in Verona“, sagt Nicoletta
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