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ibt es sie wirklich, die wahre Liebe? Diese Frage bewegt die
Menschheit seit Jahrhunderten. Aber die bekannteste Lie-
besgeschichte der Weltliteratur ist ohne Zweifel Shake-
speares Tragödie
Romeo und Julia
. Die unsterbliche, aber vomSchick-
sal verhinderte Liebe, kommt in der Literatur, imFilmund in der Mu-
sik immer wieder vor. Welthauptstadt der Liebenden ist dabei das ita-
lienische Verona, das der Schauplatz für Shakespeares Liebestragö-
die ist. Und so ist das Haus der Giulietta, wie Julia auf Italienisch
heißt, jedes Jahr Pilgerstätte für zahllose Verliebte, gerade am Valen-
tinstag.
Romantiker aus aller Welt kennen die Adresse für immerwäh-
rende Liebe. Sie lautet Via Cappello 23 in Verona und ist auch als
Casa de Giulietta
bekannt. Dort kann man den weltberühmten Bal-
kon besichtigen, den der liebestrunkene Romeo laut Shakespeare
erklommen haben soll, um seiner Geliebten näher zu kommen. Um
1900 war das Haus aus dem 13. Jahrhundert total verwahrlost.
Trotzdem zog das Gerücht, es handele sich um das Geburtshaus
von Julia, immer weitere Kreise. Heute kommen im Jahr rund eine
Million Menschen an diesen Ort, von dem vor Jahrzehnten schon
der Gelehrte Gioacchino Brognoligo empört sagte: „Wie kann man
um das Haus eines Mädchens, das nie existiert hat, so viel Rummel
machen.“ Den Rummel gibt es nach wie vor. Menschentrauben
schieben sich durch das Eingangsgewölbe in den Innenhof. Foto-
apparate klicken, Pärchen posieren für das gemeinsame Foto vor
der Julia-Statue, Verliebte und Singles schreiben schmachtende
Zeilen, die ihre tiefen Gefühle beschwören. Die meisten davon lan-
den in extra aufgestellten Briefkästen. Bisweilen suchen die Schrei-
benden auch Rat. Darum kümmern sich die Mitglieder des Julia-
Clubs, Experten in Liebesdinge, allen voran der Gründer Giulio
Tamassia. Er sorgt zusammen mit denMitgliedern des Julia-Clubs,
dem
Club di Giulietta
, um die Hilferufe in Liebesdingen aus aller
Welt. „Insgesamt erreichen uns innerhalb eines Jahres rund 5.000
Briefe aus dem Briefkästen und über den Postweg“, sagt Tamassia.
Selbst so rudimentäre Anschriften wie „Julia, Verona, Italy“ finden
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