welt wieder für mehr weibliche
Rundungen zu begeistern.
Wer Hendricks näher ken-
nenlernt, bemerkt schnell, dass
ihre Reize keineswegs nur äußer-
lich sind – sie ist lebhaft, kokett
und rundherum charmant. „Ich
habe schon immer versucht, of-
fen und begeisterungsfähig zu
bleiben“, sagt Hendricks. „Ich bin
gern ein bisschen frech und
manchmal ist es ein großer Vor-
teil weiblich zu sein und sexywir-
ken zu können. Das macht mir
Spaß.“ VonNatur aus sexy: Zu ih-
rem hinreißenden Äußeren ge-
hört eine mädchenhafte Stimme
à la Marilyn Monroe, die schon
allein
Männerherzen
zum
Schmelzen bringt. Nicht das ein-
zige Attribut, das die Schauspie-
lerin mit ihrer Figur aus Mad
Men gemeinsam hat. Wie auch
JoanHolloway besitzt Hendricks
einen eisernen Willen, sich ent-
gegen aller Widrigkeiten durch-
zuboxen. Joans Kampf, in einem
Büro voller selbstsüchtiger Wer-
befachmänner, die an ihr vor
allemdas Dekolleté schätzen, be-
ruflich voranzukommen, hat bei
der Schauspielerin persönlich ei-
nen Nerv getroffen – denn sie
selbst hatte auf ihrem Weg zum
Erfolg mit schlankheitsbeses-
senen Neinsagern zu tun. „Ich
hoffe, etwas von ihrer Entschlos-
senheit zu haben“, sagt sie. „Ich
C H R I S T I N A H E N D R I C K S
liebe Joans Fassung inStresssitu-
ationen. Auch wenn sie besorgt
ist, bleibt sie erhobenen Hauptes
und lässt sich nicht anmerken,
dass sie vielleicht kurz vor einem
Tränenausbruch steht. Sie hat
eine Art Selbstgewissheit und
das Gefühl, dass am Ende alles
gut gehen wird. Das gibt ihr die
Kraft zum Weitermachen. Und
das finde ich an ihr sehr attraktiv.
Sie lässt sich nicht herumschub-
sen – das habe ich in meinem ei-
genen Leben stets versucht, auch
wenn ich mir wünschte, manch-
mal durchsetzungsstärker gewe-
sen zu sein, so wie Joan. Was ich
und das Publikum an ihr mögen,
ist ihre Fähigkeit, auch nach
mehreren Niederlagen wieder
aufzustehen. Joan wird immer
eine Möglichkeit finden, ihr Le-
ben wieder in den Griff zu be-
kommen und das Glück zu fin-
den, das ihr allzu oft auszuwei-
chen scheint.“
Während Joan in ihrem Pri-
vatleben noch auf der Suche nach
Glück ist, scheint Hendricks be-
reits angekommen. Sie ist seit
2009 glücklich mit Schauspieler-
Kollegen Geoffrey Arend verhei-
ratet. Die beiden führen jene lie-
bevolle Beziehung, von der die
Serienfigur träumt. „Man darf
mich nicht mit Joan verwechseln,
weil ich im Inneren eine glück-
lichere Person bin und viel öfter
lache“, sagt sie. „Ich habe das Ge-
fühl, dass ich Geoffrey über die
letzten Jahre sehr viel näher ge-
kommen bin, dass wir uns gegen-
seitig viel besser verstehen und
auf einer ganz neuen Ebene für-
einander da sind. Das erfüllt
mich. Wir haben auch eine Me-
thode entwickelt, mit der wir uns
vor den unnötigen und albernen
Streitereien schützen, die viele
Paare belasten. Das Stadium ha-
benwir sehr schnell überwunden
und heute läuft es zwischen uns
sehr reibungslos und offen.“
Kennengelernt haben sich die
beiden 2007 über Hendricks
Mad-Men-KollegenVincent Kar-
theiser, der den berechnenden
Kundenberater Pete Campbell
spielt. Die Schauspielerinwar so-
fort von der Intelligenz, dem
Charme und dem Sinn für Hu-
mor des lockigen Berufskollegen
beeindruckt.
„Männer, die Selbstbewusst-
sein und Zielstrebigkeit aus-
strahlen, habe ich schon immer
attraktiv gefunden“, sagt sie. „Ich
finde, ein Mann ist besonders
sexy, wenn er ganz klar darstellt,
wer er ist und sich in allen Le-
benslagen
behaupten
kann.
Frauen möchten von Männern
beschützt werden, wenn es not-
wendig ist oder wir uns verletz-
lich fühlen. EinbisschenSchneid
mit viel Sinn für Humor – das ist
wichtig. Ein echter Mann sollte
selbstbewusst und ein klein we-
nig arrogant sein, jedoch ohne
Überheblichkeit. Und er sollte
sich selbst nicht zu ernst neh-
men. Intelligenz undHumor sind
eine wundervolleMischung.“
Doch war Hendricks nicht
immer so zufrieden und ausge-
glichen. Ihr Vater, ein pensio-
nierter Forstarbeiter aus Bir-
mingham, wechselte mit seiner
Familie regelmäßig den Wohn-
sitz. Gemeinsam mit ihrem äl-
teren Bruder zog Hendricks folg-
lich von Tennessee nach Idaho
und weiter nach Virginia. Alle
paar Wochen färbte sie ihr Haar
anders, schlich als „Goth-Punk-
rock-Girl“ herum und fühlte sich
« Ein echter Mann sollte
selbstbewusst sein, jedoch
ohne Überheblichkeit »
Abgesehen davon wäre mir das
auch gar nicht möglich“, kom-
mentiert die 37-Jährige den Me-
dienzirkus. „Männer glotzen
immer. Es gibt nichts, was man
dagegen tun kann. Aber ein
Gentleman wird stets diskret
bleiben. Irgendwann ist es dir
einfach egal. Ich fühle mich pu-
delwohl in meinem Körper.“
Hendricks’ Zufriedenheit mit
ihremÄußerenwirkt ansteckend.
Seit sie 2007 als Chefsekretärin
JoanHolloway inMadMen zu se-
hen ist (einer US-Fernsehserie
über das Leben und Arbeiten der
Angestellten einer Werbeagentur
in den 1960er-Jahren in New
York), hat die Schauspielerin eine
ganzeGenerationFrauendazu er-
mutigt, auch mit üppigeren Fi-
guren glücklich zu werden. Diese
Vorbildrolle wurde 2010 sogar
durch die britische Gleichstel-
lungsministerin Lynne Feather-
stone bestätigt, die Hendricks in
Anbetracht der allgegenwärtigen
Werbung voller magersüchtiger
Models für ihrenBeitragzueinem
gesunden
Körpergefühl
lobt.
Selbst auf die Mode hat der Star
einen merkbaren Einfluss. Sie ist
einerseits das Werbegesicht für
Designerin Vivienne Westwood,
die die Schauspielerin als den „In-
begriff von Schönheit“ beschrieb.
Andererseits ist es ihr als Sex-
symbol gelungen, die Männer-
© Ruven Afanador/Corbis Outline
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