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J E R U S A L E M
Seit den 50er Jahren scheinbar unverändert, wirkt indes das
Mordoch an der Agrippas Straße. EinBesuch lohnt sich vor allemwe-
gen der jüdisch-kurdischen
Kubbeh
– fleischgefülltenGrießklößchen,
die zumBeispiel in Rote-Bete-Suppe dargereicht werden.
Am Rande des Markts entdecke ich Khachapuria, eine kleine Bä-
ckerei, die von einem jüdischen Immigranten ausGeorgien gegründet
wurde. Die erste Auswanderungswelle georgischer Juden schwappte
Anfang der 1970er Jahre nach Israel, eine zweiteWelle folgte 1991 nach
dem Ende des Kommunismus. Hier können Sie authentische Versi-
onen des georgischen Nationalgerichts genießen: mit Käse gefülltes
Brot, das entweder mit Fleisch, Kartofeln oder Eiern serviert wird.
Im Zentrum Jerusalems ist die Auswahl an Restaurants nicht be-
sonders. Doch zwischen den Eislokalen, den Cofeeshops der großen
internationalenKetten und vegetarischenPizzerien (orthodoxe Juden
dürfen Fleisch und Käse nicht mischen) liegt in der Shammai Straße
der unscheinbare irakische Imbiss Sabichiya. Um 1950 herumwurde
nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung des Irak, rund 120.000
Menschen, nach Israel evakuiert. Bei Sabichiya gibt es
Sabich
, ein mit
Hummus, gekochtemEi, frittierter Aubergine und würziger Soße ge-
fülltes Fladenbrot. Genauwie
Jachnun
ist auch diese Spezialität in den
vergangenen Jahren überaus populär geworden.
Auch in denmuslimischenTeilen der Stadt gibt es fantastisches Es-
sen. Immerhin hat einDrittel der Bevölkerung Jerusalems palästinen-
sische Wurzeln. Auf der Rashid Straße entdecke ich das Restaurant
Petra, das sich ganz auf palästinensische Hausmannskost spezialisiert
hat. Hier gibt es zum Beispiel
Maqluba
, ein herzhaftes Schmorpfan-
nengericht mit Lammfleisch, Auberginen und Reis. In einem Buchla-
den auf der Salah Eddin Straße entkomme ich der Mittagshitze und
genieße einen erfrischenden Zitronen-Minze-Saft und Brote, bestri-
chen mit
Satar
, einer nordafrikanischen Gewürzmischung. Doch das
stimmungsvollste Erlebnis habe ich im Ikermawi, einem schlichten
Hummus-Lokal hinter den Kebabbuden amDamaskustor.
„MeinGroßvater hat das Lokal 1953 eröfnet. Seitdemhat sich prak-
tisch nichts verändert“, sagt Eigentümer Mohammad Ikermawi. Das
angeblich beste Hummus der Welt kostet circa drei Euro, gemacht mit
Tahini
,
Ful
(pürierten Favabohnen) und Falafel, ein Rezept, das ur-
sprünglich aus Damaskus stammt. „Die Israelis kommen immer öfter
hierher, umdas echteHummus zu entdecken“, lacht Ikermawi. „Sie sa-
gen zwar, sie hätten auchHummus, aber für uns ist es kaumessbar!“
Apropos genießbar: Meine kulinarische Entdeckungstour durch
Jerusalembeende ichmit einemGericht, das vieleMenschen nicht an-
rühren würden. Die Wände des Restaurant Chatzot, ein weiteres be-
rühmtes Etablissement auf der Agrippas Straße, zieren Portraits zahl-
reicher israelischer Prominenter, die hier
Meurav Yerushalmi
aßen –
jene berühmt-berüchtigte Jerusalemer Grillplatte, bei der Herz, Leber
undMilz vomHuhnmit Lammfleischund einer äußerst scharfenSoße
serviert werden. Mir schmeckt es so gut, dass ich gleich eine zweite
Portionbestellenwill. Dochdann siegt dieVernunft, und ich gehe über
die Straße, um den Etrog-Medizinmann um etwas mehr von dieser
Schokolade zu bitten, die beimAbnehmen helfen soll.
GERMANWINGS FL I EGT VON
Berlin, Budapest, Köln-Bonn, Leipzig, London, München, Salzburg, Wien
und Zürich nach
Tel Aviv
GW—
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