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m die hier abgedruckten Bilder zu schiessen, muss man
nicht nur viel vom Fotografieren verstehen, sondern auch
ein verdammt guter Skifahrer sein. Der Schwede Mattias
FredrikssonkannbeidesundwarTeil der ursprünglichenFreerider-
Bewegung inden90er Jahren, die das Tiefschneefahren auf breiten
Bretten einführte. Er hatte schon damals immer seine Kamera da-
bei. Heute küren seine Bilder dieWerbekampagnen von Skimarken
und sindmit dafür verantwortlich, das Image dieser Trendsportart
aufgebaut zuhaben. Er gelangt dadurch anOrte, andie sonst keiner
so einfach kommt: abgelegene Bergfelsen, fast vertikale Hänge.
Fredriksson betreibt Freeriden als Extremsport.
Doch dieseNische ist gerade dabei sich zu ändern. Ähnlichwie
das Snowboarden Ende der 90er Jahre von einem jugendlichen
Randgruppentrend zur olympischen Sportart avancierte, könnte
Freeriden demnächst auch für Normalsterbliche möglich werden.
Im Wesentlichen geht es beim Freeriden nämlich um das Skifah-
ren abseits der Piste in Kombination mit dem Skitourengehen.
Das heißt, man schnallt sich ein Fell unter die Skier oder packt sie
in den Rucksack und marschiert fernab der Piste an unberührte
Hänge und gleitet dannmit den Skiern durch den weichen Pulver-
schnee, um dort eine frische, eigene Spur zu hinterlassen. Klingt
wie Skifahren zu Großvaterszeiten, bevor es den Luxus von be-
heizten Sesselliften gab. Doch beim Freeriden geht es um das
Fahrgefühl, das dem Surfen ähnelt und angeblich berauschende
Wirkung haben kann.
Klaus Polzer aus Rosenheimwar mit einer der ersten Freerider
im deutschsprachigen Raum. Er fuhr einst multinationale Ren-
nen und gibt jetzt eine Fachzeitschrift zum Thema Freeriden, na-
mens
Downdays
, heraus. „Früher musste man ein guter Skifahrer
sein, um im Gelände fahren zu können. Doch heute hat sich viel
getan bezüglich Equipment,“ sagt Polzer. „Die meisten Skier heut-
zutage sind viel breiter als früher. Dasmacht das Tiefschneefahren
erheblich einfacher. Der heutige Standardski ist einAllround-Ski,
das heißt, man kann sowohl auf präparierten Pisten wie auch im
Gelände fahren.“ Der extreme Carvingski, der eine Zeit lang be-
liebt war, ist eher am Rennski angelegt und erfordert entspre-
chende Fitness und Können. Aber die breiten Allround-Bretter
ermöglichen es dem Standardskifahrer das pulverige Federn des
Tiefschnees zu erleben. Das Problem ist nur, wieman sicher an die
richtigen Stellen gelangt.
Zunehmend bieten Skischulen jedoch Touren an. Vor allem im
Salzburger Land werden in der kommenden Saison viele Opti-
onen geboten. Doch wenn der Standardski das Tiefschneefahren
erleichtert, warum nicht auf eigene Faust ab ins Gelände? „Mit
einem qualifizierten Führer einer Bergschule eine Tour zu ma-
chen, hat viele Vorteile. Erstens aus Sicherheitsgründen, da beim
Freeriden eine erhöhte Lawinengefahr besteht.Manmuss sich gut
auskennen, um das richtig einschätzen zu können. Zweitens die
Expertise, woman denmeistenSpass hat, zumBeispiel damitman
in der Nähe eines Lifts unten ankommt und nicht mitten auf einer
Straße. Und drittens das Verantwortungsbewusstsein bezüglich
des Naturschutzes und der Wildschutzzonen.“ Wenn man Polzer
S K I
so reden hört, merkt man erst, wie komplex die Berge sind. Wetter-
verhältnisse und Temperaturunterschiede haben einen großen
Einfluss auf Lawinen. Daher kannman gerade bei einer geführten
Bergtour viel über die Berge und das natürliche Umfeld fernab der
präparierten Piste lernen.
„Doch während der klassische Tourengeher oftmals mehr am
Aufstieg interessiert war, geht es beimFreeriden umdas Abfahren“,
fährt Klaus Polzer fort. „Daher benutzen Freerider bevorzugt die
Lifte, um auf den Berg zu kommen und steigen erst oben dann zwi-
schen 30-90Minuten weiter hoch. Das garantiert, dass man gleich
mehrmals am Tag abfahren kann und nicht Stunden mit dem Auf-
stieg verbringt. Natürlich ist das Tourengehen Teil des gesamten
Naturerlebnisses und der sportlichen Betätigung, aber in erster Li-
nie geht es umdas Fahrgefühl beimAbfahren imTiefschnee.”
Die Kombination von Liften, um dadurch schneller und ein-
facher an gute Freerider-, also Geländestellen zu kommen, ist auch
mit ein Grund, warum Fredriksson zum Fotografieren aus Nord-
schweden nach Österreich gereist ist. „Letztes Jahr sind wir aufs
Kitzsteinhorn in der Nähe von Kaprun gefahren. Morgens sind wir
mit dem ersten Lift hoch. Die Schneebedingungen waren perfekt.
Das Kitzsteinhorn ist besonders ideal, weil es sehr hoch liegt, also
über der Baumgrenze hinaus, was inÖsterreichnicht überall zufin-
den ist.“ Natürlich können die Bilder nicht geprobt werden, weil der
Schnee unverspurt bleibenmuss. Fredriksson fährt also vor, positi-
oniert sich an den steilen Hängen und fängt dann die Sprünge
(FreestyleMoves) der professionellen Trickskifahrer ein.
Wegen der erhöhten
Lawinengefahr sollte
man anfangs nur mit
Bergführer Freeriden
Johan Jonsson auf dem Kitzsteinhorn
Stina Jakobsson auf dem Kitzsteinhorn
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