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S C O T L A N D
gegen die steife Brise anzuspielen. Damit der gepflegte Rasen um die
neun Löcher nicht durch die Schafe inMitleidenschaft gezogenwird,
sind sie ordentlich eingezäunt. Nicht zuletzt wartet Barra mit schrof-
fen, aber freundlichen Insulanern auf und überzeugt mit einer Reihe
von Skurrilitäten, die dafür sorgen, dass man einen Besuch auf der
Insel nie wieder vergisst.
In Castlebay, dem größten Ort auf dem knapp 60 Kilometer klei-
nen Eiland gibt es das Nötigste zum Leben: ein Mini-Krankenhaus,
eine Schule, eine Poststation und seit zwei Jahren sogar einen rich-
tigen Supermarkt, der dem örtlichen Krämer Konkurrenz macht.
Und ein, zwei Pubs, in denen sich abends die halbe Insel zum Trin-
ken trift. „Barra, that’s 1.100 alcoholics on a rock!“, witzeln die für
ihren derben Humor und Zynismus bekannten Schotten in der
Castlebay Bar und bestellen sich schnell noch ein Pint Bier oder ei-
nen rauchigen Single Malt. Dann heißt es „Sláinte“, das gälische
Wort für „Prost“, das man hier schnell lernen sollte. An guten
Abenden kommt ein alter Akkordeonspieler vorbei und stimmt zu-
sammen mit ein paar Insulanern romantische Lieder von Schott-
land, demMeer und der verlorenen Liebe an. Man hört die Kneipen-
besucher zwischen zwei Stücken kurz aber frenetisch klatschen
oder zustimmend brummeln und manchmal sogar mitsingen. Ein
echtes Highlight sind die sporadischen Auftritte der „Vatersay
Boys“, einer legendären Folkband, die den Namen der durch einen
Damm mit Barra verbundenen Insel Vatersay trägt. Die nicht mehr
ganz jungen Boys bringen mit Schlagzeug, Gitarre und Dudelsack
kleine wie große Säle zum Brodeln. 2003 fuhr die Band mit einem
alten Bus nach Sevilla, um ihre geliebte Fußballmannschaft Celtic
imUEFA-Cup-Finale spielen zu sehen.
Eine einsame Straße auf
Vatersay, Barra’s
Nebeninsel
Barra’s neighbouring
island Vatersay; the two
are linked by a causeway
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